Warum Frauenlauf?

Gestern war Frauenlauf in Bern. Vor etwa 2 Wochen hatte ich auf Facebook meine Startnummer gepostet und mir diesen Blogpost eingehandelt.

Ein Vertreter der Schnauz- und Bartträgerfraktion wollte aufgrund meines Posts wissen: “Gibt es auch einen Männerlauf?”. Augenrollend habe ich schnell nach Männerläufen gegoogelt, wohlwissend, dass der Fragesteller kaum Interesse an Männerläufen hat. Trotzdem oder gerade deswegen habe ich ihm die Anmeldung für den Münchner Männerlauf am 1. Oktober nahe gelegt. Lässt sich ja mit einem netten Bier-Reischen verbinden. Statt einer Anmeldebestätigung für München kam dann die eigentliche Frage zum Vorschein. “Warum braucht es einen  Frauenlauf?”. Frei übersetzt: “Welches veraltete feministische Gedankengut rechtfertigt den Ausschluss männlicher Läufer?” Spontan hätte ich wie die Zoifter (aka Zunftmitglieder der Herrenzünfte in Zürich) oder Mitglieder gewisser Basler Fasnachtscliquen geantwortet: Tradition, gäll (bzw. odr).

Aber das wäre dann doch zu einfach gewesen. Ich habe mir die Frage ehrlich gesagt nie wirklich gestellt. Im Zusammenhang mit Gleichstellungsfragen muss ich erwähnen, dass ich anfangs 90er Jahre Anglistik und Germanistik studiert habe. Gender Studies als Fach gab es leider noch nicht. Leider, weil sonst in Germanistik  nicht jeder verdammte Satz geschlechterkämpferisch hätte durchgekaut werden müssen. Ich habe bis heute selten Lust auf ideologische Grundsatzdiskussionen dieser Art.

Nun also trotzdem zur Frage, ob es einen Frauenlauf braucht. Der Frauenlauf wurde 1987 ins Leben gerufen, um Frauen den Laufsport näher zu bringen. Die Überlegung war, dass ihnen dies an einem Lauf über eine kürzere Distanz unter Frauen leichter fallen würde. Dieser Plan scheint aufgegangen zu sein. Ich empfehle das Interview mit den Gründerinnen zur Lektüre. Wer sich eine Übersicht über Frauen im Laufsport generell machen will, dem empfehle ich eine Zusammenstellung von Runner’s World.

In der heutigen Fitness-orientierten Gesellschaft braucht es diese frauenspezifische “Starthilfe” wohl kaum mehr. Wenn wir also brauchen im Sinne einer Notwendigkeit für ein bestimmtes Ziel verstehen, dann braucht es den Frauenlauf nicht. Genausowenig wie es Herrenzünfte, Männercliquen und Männerruderclubs “braucht”. Entspricht der Frauenlauf einem Bedürfnis? Offensichtlich ja, denn sonst hätte der Anlass nicht jedes Jahr einen Teilnehmerinnenzuwachs. Und mit den Frauenläufen in Basel und Winterthur ist dieses Jahr eine neue Laufserie nur für Frauen gestartet.

Sind diese Läufe diskriminierend? Aus meiner Sicht nein, denn es gibt genügend Anlässe, die auch männlichen Läufern offen stehen in denselben Städten, in denen auch die Frauenläufe stattfinden. Wer einen Männerlauf will, soll ihn doch organisieren. Müsste ich einen organisieren, würde ich mich an den Kleidervorschriften für Volleyballerinnen orientieren. Lycra-Laufhose bis maximal Mitte Oberschenkel wären Pflicht und es gäbe ein Kompressionsstrumpf- und Oberkörperbekleidungsverbot. Ich habe da jetzt natürlich diesen Frauenfilm vor Augen, wie hiess er noch…  ah ja,  300. Man müsste das Konzept vielleicht nochmals anhand eines Augenscheins an einem aktuellen Laufanlass überdenken… (der war jetzt gemein, ich geb’s zu).

Einen Kritikpunkt am Frauenlauf Bern habe ich jedoch. Der Wechsel auf diese (pardon) Scheiss-Farbe Pink finde ich wirklich unnötig. Der Anlass heisst Frauenlauf, nicht Prinzessin-Lilifee-Gedenklauf! Ich hätte lieber ein erwachsenes, selbstbewusstes Farbkonzept. Karminrot von mir aus. Oder Blau-Rot-Gold wie bei Wonderwoman (das käme mir als Baslerin besonders entgegen). Auch hat mir das alte Logo besser gefallen. Das neue Logo hat mich immerhin daran erinnert, dass ich einen kleineren Sport-BH kaufen muss, weil mir im Alten die Brüste zu sehr gravitieren und ich letztens befürchtete, die Nippel flögen weg. Aber ich laufe den Frauenlauf ja nicht wegen des Farbkonzepts und des Logos, sondern weil mir die kürzeren Distanzen als Trainingsläufe für den Halbmarathon entgegen kommen und das Laufen mal nur unter Frauen tatsächlich Spass macht. Irgendwie ist es schön, mit so vielen Läuferinnen gemeinsam eine Stadt unter die Füsse zu nehmen.

So möchte ich schliessen mit einem grosser Dank an die Frauen und Männer, die solche Anlässe für uns Läuferinnen zu einem schönen Erlebnis machen: Organisatoren, Zuschauer, Wasserbecherreicher, Musizierende, etc. Persönlich muss ich natürlich meinem rein männlichen Unterstützerteam Tribut zollen, das am Vortag mit mir nach Bern gefahren ist und mich am Lauftag zum Startblock begleitet hat und mich mit einem netten (ähem) Plakat im Ziel empfangen wollte. Ich habe allerdings beim Endspurt derart Gas gegeben, dass ich sie übersehen habe. Beim Frauenlauf in Winterthur passe ich dann besser auf!

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